Die Bauform ist die erste Entscheidung, nicht die Marke
Wer ein Kartenterminal sucht, landet schnell in Modellnamen wie Desk, Move, A77 oder IM30. Für den Alltag ist das die zweite Frage. Die erste lautet: Wo genau steht der Mensch, der bei Ihnen bezahlt? An einer festen Theke, an einem Restauranttisch, im Hof neben dem Fahrzeug, an einem Marktstand oder gar nicht, weil ein Automat die Ware ausgibt. Aus dieser Antwort ergibt sich die Bauform, und aus der Bauform ergeben sich Stromversorgung, Netzanbindung, Beleg und Bedienung.
Die Bauformen unterscheiden sich weniger im Bezahlvorgang als in allem drumherum. Ein stationäres Gerät hängt am Stromnetz und braucht keinen Akku, dafür kann es nicht an den Tisch. Ein mobiles Gerät geht überall hin, muss aber geladen werden und braucht ein Netz, das auch im Hinterhof trägt. Ein Terminal an der Kasse bekommt den Betrag automatisch übergeben und druckt nichts, weil der Kassendrucker den Beleg übernimmt. Ein Automatenmodul hat weder Drucker noch Bedienpersonal und muss Regen, Frost und Vandalismus aushalten.
Genau diese Unterschiede werden im Verkaufsgespräch häufig übersprungen. Das Ergebnis sind Geräte, die technisch einwandfrei funktionieren und trotzdem nicht zum Betrieb passen: ein Terminal ohne Bondrucker in einem Betrieb, der Belege drucken muss, oder ein Gerät ohne Mobilfunk an einem Stand ohne WLAN. Die folgenden Abschnitte sortieren die Bauformen so, dass Sie Ihre eigene Situation wiedererkennen.
Die sechs Bauformen im Überblick
Jede Bauform hat einen klaren Einsatzschwerpunkt. Die Detailseiten beschreiben Geräte, Anschlussarten und typische Stolperstellen.
Bauformen im direkten Vergleich
Die Tabelle zeigt die Merkmale, die im Alltag tatsächlich einen Unterschied machen. Eine ausführlichere Gegenüberstellung inklusive einzelner Geräte finden Sie auf der Vergleichsseite.
| Bauform | Stromversorgung | Übliche Anbindung | Bondrucker | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Stationär | Dauerhaft am Netzteil | LAN oder WLAN, teils Mobilfunk als Rückfallebene | In der Regel integriert | Theke, Empfang, Apotheke, Bäckerei |
| Mobil | Akku, Ladestation oder Ladekabel | Mobilfunk und WLAN, teils Bluetooth zur Basisstation | Meist integriert | Gastronomie am Tisch, Lieferdienst, Handwerk, Markt |
| SmartPOS (Android) | Akku, oft mit Ladestation | Mobilfunk, WLAN, Bluetooth | Modellabhängig, es gibt Geräte ohne Drucker | Betriebe mit Scanner-, App- oder Kassenbedarf am Gerät |
| SoftPOS auf dem Smartphone | Akku des Smartphones | Mobilfunk oder WLAN des Geräts | Kein Drucker, Beleg digital | Zusatzkasse, Saison, Außendienst, Veranstaltung |
| Kassenintegriertes PIN-Pad | Netzteil oder Strom über das Netzwerkkabel | LAN, seriell oder USB zur Kasse | Kein Drucker, Beleg aus der Kasse | Filiale, Supermarkt, jeder Platz mit Kassensystem |
| Unbedientes Einbaumodul | Stromversorgung des Automaten | LAN, Mobilfunk, WLAN, teils MDB zum Automaten | Kein Drucker, Belegausgabe über den Automaten | Automat, Ladesäule, Parken, Waschanlage, Ticketing |
Einzelne Modelle weichen ab. Ob ein konkretes Gerät einen Drucker hat, klären Sie bitte vor der Bestellung, das ist die häufigste Fehlkonfiguration im Markt.
Fünf Fragen, die vor der Auswahl beantwortet sein sollten
Wenn Sie diese fünf Punkte für Ihren Betrieb durchgehen, ist die Bauform meist schon entschieden.
- 01Wo wird kassiert?
- An einem festen Punkt, an wechselnden Punkten im Haus oder außerhalb des Hauses. Ein Restaurant mit Terrasse kassiert an mindestens drei Orten, eine Bäckerei mit zwei Theken an genau zwei. Daraus ergibt sich, ob Sie ein Gerät mit Akku brauchen und wie viele Geräte es werden.
- 02Braucht Ihr Kunde einen gedruckten Beleg?
- In der Werkstatt und im Handwerk gehört der Beleg oft zur Rechnung, im Restaurant ist er die Regel, im Kiosk verzichten viele Kunden darauf. Wo der Beleg digital reicht, kommen kompakte Geräte ohne Drucker infrage, die Sie per QR-Code oder E-Mail zustellen. Wo gedruckt wird, brauchen Sie Drucker, Bonrollen und einen Platz dafür.
- 03Haben Sie ein Kassensystem?
- Wenn ja, sollte das Terminal den Betrag aus der Kasse übernehmen. Das spart den zweiten Tippvorgang und verhindert Abweichungen zwischen Kassenbuch und Kartenumsatz. Die Anbindung läuft in Deutschland und Österreich meist über die Schnittstellen ZVT oder O.P.I., beide werden von den gängigen Kassenherstellern unterstützt.
- 04Welches Netz liegt an?
- Ein Terminal braucht dauerhaft eine Datenverbindung. Prüfen Sie, ob am Kassenplatz eine Netzwerkdose liegt, wie stabil das WLAN im hinteren Raum ist und ob am Standort überhaupt Mobilfunk ankommt. Ein Kellerlokal, eine Tiefgarage und eine Werkstatthalle aus Stahlbeton sind die klassischen Problemfälle.
- 05Wie sieht die Umgebung aus?
- Staub in der Bäckerei, Fett in der Küche, Feuchtigkeit im Außenbereich, Frost am Automaten, Reinigungsmittel in der Praxis. Für den Außen- und Automateneinsatz zählen Schutzklassen wie IP65, für Tankstellen und explosionsgefährdete Bereiche gibt es eigens zertifizierte Gerätevarianten.
Die Hardware ist im Markt weitgehend dieselbe
Ein Punkt, den kaum ein Anbieter offen ausspricht: Die allermeisten Terminals im deutschsprachigen Raum stammen von einer Handvoll Hersteller. Ingenico, Verifone, PAX, Castles, SUNMI, CCV und Worldline bauen die Geräte, und die Anbieter verkaufen sie unter eigenem Namen weiter. Ein und dasselbe Gerät heißt bei drei Anbietern drei verschiedene Namen. Die Auswahl an echter Hardware ist damit deutlich kleiner, als die Produktseiten des Marktes vermuten lassen.
Daraus folgt eine unbequeme, aber nützliche Erkenntnis: Über die Hardware allein können Sie kaum einen Anbieter vom anderen unterscheiden. Ein Hersteller weist selbst darauf hin, dass sich Menüpunkte und Funktionen desselben Terminals je nach Betreiber unterscheiden. Wie das Trinkgeld abgefragt wird, ob eine Reservierungsfunktion für Vorautorisierungen zur Verfügung steht, welche Zusatzfunktionen nachträglich freigeschaltet werden können und wie schnell ein Ersatzgerät kommt, entscheidet nicht der Hersteller, sondern der Betrieb dahinter.
Für Sie heißt das: Vergleichen Sie nicht Modellnamen, sondern die Leistung um das Gerät herum. Wie lange dauert die Aufschaltung, wer richtet die Kassenanbindung ein, was passiert bei einem Defekt am Samstagvormittag, wer schaltet eine Funktion frei, wenn Sie sie ein halbes Jahr später doch brauchen. Diese Punkte lassen sich klären, bevor Sie unterschreiben.
Sicherheitsstand: PCI PTS und die Zulassung der Terminals
Bezahlterminals werden nach dem Sicherheitsstandard PCI PTS zertifiziert. Version 5.x findet sich noch in vielen Bestandsgeräten, 6.x ist der heutige Marktstandard, 7.x kommt gerade neu in den Markt. Wenn Sie ein Gerät neu anschaffen, ist 6.x das Mindeste, worauf Sie achten sollten. Ein niedrigerer Stand ist kein akuter Mangel, verkürzt aber die verbleibende Nutzungsdauer, weil Zulassungen befristet sind und Hersteller ältere Baureihen abkündigen.
In Deutschland kommt die Zulassung durch die Deutsche Kreditwirtschaft hinzu. Für die Teilnahme am girocard-System dürfen ausschließlich Terminals eingesetzt werden, die über eine solche Zulassung verfügen; maßgeblich ist der Technische Anhang in der Fassung 7.2. Für bediente Terminals gilt dieser Stand seit dem Betriebsjahr nach dem 31. Dezember 2024, für unbediente Terminals nach dem 31. Dezember 2025. Ältere Technik ist damit nicht mehr zulassungskonform.
In Österreich existiert dieses Regelwerk nicht. Dort gibt es keine girocard und keine Netzbetreiberzulassung der Deutschen Kreditwirtschaft; der Markt ist über Acquirer, Issuer und die Kartennetzwerke organisiert, die Debitkarte heißt Bankomatkarte. Maßgeblich sind dort die Vorgaben der Kartenorganisationen und der PCI-Standards. Rechtsstand dieser Darstellung ist der 1. August 2026. Sie ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Vier Betriebe, vier Antworten
Dieselbe Frage, unterschiedliche Ergebnisse. Die Beispiele zeigen, wie stark der Alltag die Auswahl bestimmt.
Bäckerei mit zwei Theken
Zwei feste Kassenplätze, sehr kleine Beträge, hohe Taktzahl in der Frühschicht. Zwei stationäre Geräte mit Kassenanbindung, Kontaktlosleser gut sichtbar am Kopf des Terminals, damit die Schlange nicht steht. Bonrollen als Verbrauchsmaterial mit einplanen.
Restaurant mit Terrasse
Kassiert wird am Tisch, an der Bar und draußen. Mobile Geräte mit Akku, Mobilfunk und Bondrucker, dazu eine funktionierende Trinkgeldabfrage am Gerät. Wichtig ist, dass das Personal auch dann kassieren kann, wenn das WLAN auf der Terrasse abreißt.
Kfz-Werkstatt
Bezahlt wird am Tresen, manchmal am Fahrzeug, oft mit hohen Einzelbeträgen. Ein stationäres Gerät am Annahmeplatz plus ein mobiles Gerät für den Hof. Da hohe Beträge fast immer eine PIN erfordern, sollte das Display auch bei Sonnenlicht ablesbar sein.
Marktstand
Kein Strom, kein WLAN, wechselnde Standorte, Wind und Regen. Ein mobiles Gerät mit eigener SIM-Karte, gutem Akku und wechselbarer oder zweiter Stromquelle. Wer nur gelegentlich verkauft, kommt auch mit einer Lösung auf dem Smartphone aus.
Was bei der Terminalauswahl wegfallen sollte
Übrig bleibt eine Entscheidung, die zum Kassenplatz passt, und ein Gerät, das am ersten Tag läuft.
Häufige Fragen zur Terminalauswahl
Brauche ich für jeden Kassenplatz ein eigenes Terminal?
In der Regel ja, sobald an zwei Plätzen gleichzeitig kassiert wird. Ein Terminal kann immer nur eine Transaktion gleichzeitig abwickeln. Zwei Theken, die zur selben Zeit bedienen, brauchen zwei Geräte. Wo nacheinander kassiert wird, etwa an einem Empfang mit einer Person, reicht ein Gerät.
Was ist der Unterschied zwischen einem Terminal und einem Kartenleser am Smartphone?
Ein Terminal ist ein eigenständiges, zertifiziertes Gerät mit eigener Tastatur oder eigenem Sicherheitsdisplay für die PIN. Ein Kartenleser koppelt sich per Bluetooth an ein Smartphone und braucht dieses zwingend, um zu funktionieren. Für den Dauerbetrieb ist das Terminal robuster, für den gelegentlichen Einsatz ist der Reader oder eine reine Softwarelösung oft ausreichend.
Kann ich mein vorhandenes Terminal weiter nutzen, wenn ich den Anbieter wechsle?
Manchmal ja, häufig nein. Es hängt daran, ob das Gerät technisch für den neuen Betrieb freigegeben werden kann, ob es Ihnen gehört oder gemietet ist und ob sein Zulassungsstand noch aktuell ist. Wir prüfen das vorab anhand von Modell, Softwarestand und Terminal-ID, damit Sie vor der Entscheidung wissen, woran Sie sind.
Welche Karten akzeptiert ein Terminal?
Die verbreiteten Geräte lesen Chipkarten, kontaktlose Karten und Magnetstreifen. Angenommen werden in Deutschland üblicherweise girocard, Debit- und Kreditkarten von Mastercard und Visa sowie die darauf aufsetzenden Wallets wie Apple Pay und Google Pay. In Österreich tritt an die Stelle der girocard die Bankomatkarte. Welche weiteren Kartenmarken freigeschaltet werden, legen Sie in Ihrem Akzeptanzvertrag fest.
Muss ich für kontaktlose Zahlungen etwas Besonderes tun?
Alle aktuellen Terminals beherrschen kontaktloses Bezahlen. In Deutschland ist die Aktivierung der Kontaktlosfunktion für den Händler grundsätzlich optional, praktisch aber Standard, weil ein großer Teil der Zahlungen so abgewickelt wird. Bis 50 Euro kommt eine Zahlung häufig ohne PIN aus; darüber und in unregelmäßigen Abständen verlangt die Karte eine PIN, das entscheidet die kartenausgebende Bank, nicht das Terminal.
Wie viele Geräte kann ich später ergänzen?
Zusätzliche Geräte lassen sich jederzeit aufschalten; jedes bekommt eine eigene Terminal-ID. Sinnvoll ist, schon bei der ersten Bestellung zu sagen, wie Ihr Betrieb in einem Jahr aussehen soll. Dann werden Kassenanbindung, Belegtexte und Auswertungen von Anfang an so aufgesetzt, dass ein zweiter oder dritter Standort ohne Umbau dazukommt.
Nach der Auswahl kommt die Aufschaltung
Ein Terminal ist mit der Lieferung noch kein Zahlungsmittel. Es braucht eine eigene Terminal-ID, kryptografische Schlüssel, die Verbindung zu den Autorisierungssystemen und, wenn eine Kasse im Spiel ist, die passende Schnittstellenkonfiguration. Dieser Schritt heißt Aufschaltung und entscheidet darüber, ob am ersten Tag kassiert wird oder ob jemand telefonieren muss.
Die Seite zur Inbetriebnahme beschreibt den Ablauf im Detail: welche Angaben vorab gebraucht werden, was am Gerät passiert, wie der erste Testkauf aussieht und welche Pflichten im laufenden Betrieb gelten. Wenn Sie von einem anderen Anbieter kommen, finden Sie dort auch den Ablauf für den Wechsel ohne Kassiererpause.




