Wie eine Bluecode-Zahlung abläuft
Der Kunde öffnet die Bezahlfunktion in seiner Banking-App oder in der Bluecode-App und lässt sich einen blauen Barcode anzeigen. Ihr Personal scannt diesen Code mit demselben Scanner, mit dem sonst Artikel erfasst werden. Alternativ scannt der Kunde einen QR-Code Ihres Betriebs. Der Betrag wird anschließend direkt vom Girokonto des Kunden abgebucht.
Sicherheitsseitig arbeitet das Verfahren mit Einmalcodes: Für jede Zahlung wird ein neuer Code erzeugt, der nur wenige Minuten gültig ist. Persönliche Daten werden dabei nicht übertragen. Weil kein NFC im Spiel ist, funktioniert das auch dann, wenn das Telefon des Kunden gerade keinen guten Empfang hat.
Der praktische Unterschied zur Karte fällt vor allem bei größeren Beträgen auf. Weil die Freigabe in der App erfolgt, entfällt eine PIN-Eingabe am Terminal — auch oberhalb von 50 Euro. Für den Kunden ist das ein Vorgang mit dem Telefon in der Hand, ohne Übergabe eines Geräts über den Tresen.
Warum das Verfahren in Österreich eine Rolle spielt
Bluecode kam 2015 in Österreich auf den Markt, in der heutigen Unternehmensform seit 2017, und ist damit älter als der breite Wallet-Rollout hierzulande. Genau das erklärt seine Stellung: Während Apple Pay erst 2019 startete und Google Pay von den österreichischen Banken zurückhaltend adaptiert wurde, war Bluecode bereits in vielen Banking-Apps verfügbar.
Nach Angaben des Anbieters akzeptieren mehr als 85 Prozent der österreichischen Lebensmittelhändler das Verfahren; für Österreich und Deutschland zusammen werden über 20.000 Akzeptanzstellen genannt. Zu den genannten Partnern zählen große Ketten aus dem Lebensmittel- und Drogeriebereich. Als angebundene Institute nennt der Anbieter unter anderem die Raiffeisen-Banken, die Institute der Drei-Banken-Gruppe und die Volksbanken.
International ist Bluecode über Partnernetzwerke angebunden, unter anderem an das Discover-Netzwerk in Europa und an Alipay-Strukturen in Asien. Für einen typischen österreichischen Betrieb ist das eher eine Randnotiz — relevant wird es dort, wo asiatische Gäste eine Rolle spielen.
Bluecode ist kein Terminalgeschäft
Das ist der Punkt, an dem wir bewusst gegen den eigenen Umsatz argumentieren. Bluecode braucht kein Lesegerät. Es braucht einen Barcode-Scanner, den Sie in aller Regel ohnehin haben, und eine Kassensoftware, die das Verfahren unterstützt. Wer Ihnen Bluecode als Grund verkauft, ein neues Terminal anzuschaffen, verkauft Ihnen das falsche Produkt.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Ihr Terminal Bluecode kann, sondern ob Ihre Kassa es kann. Bei vielen österreichischen Kassensystemen ist das eine Konfigurations- oder Modulfrage, bei manchen ist es gar nicht vorgesehen. Diese Auskunft holen wir ein, bevor irgendetwas zugesagt wird.
Unsere Rolle bei diesem Thema ist Beratung und saubere Anbindung, nicht Verkauf. Wenn Ihr Kassensystem Bluecode nicht unterstützt und ein Wechsel sich dafür allein nicht lohnt, sagen wir das. Ein Verfahren, das in Ihrem Betrieb dreimal im Monat vorkommt, ist kein Grund für einen Systemwechsel.
Bluecode und kontaktlose Kartenzahlung im Vergleich
| Merkmal | Bluecode | Kontaktlose Kartenzahlung |
|---|---|---|
| Technik | optischer Barcode oder QR-Code | NFC-Funk über wenige Zentimeter |
| Gerät beim Händler | Barcode-Scanner und Kassensoftware | Kartenterminal |
| Abbuchung | direkt vom Girokonto | über die Kartenmarke |
| PIN am Terminal | entfällt, Freigabe in der App | ab 50 Euro und nach 125 Euro kumuliert |
| Kundenkarte und Coupons | im selben Scan möglich | getrennter Vorgang |
| Akzeptanz im Ausland | über Partnernetzwerke, punktuell | international breit |
| Was Sie einrichten müssen | Kassenanbindung und Vertrag | Markenfreischaltung am Terminal |
Zahlung und Kundenbindung in einem Scan
Der eigentliche Reiz des Verfahrens liegt nicht in der Zahlung, sondern in dem, was gleichzeitig passiert. Ein einziger Scan kann Bezahlung, Kundenkarte, Coupon-Einlösung und Belegzustellung abdecken. Genau deshalb setzen einzelne Handelsketten das Verfahren als Zahlfunktion in ihrer eigenen App ein, statt eine separate Bezahl-App zu verlangen.
In Österreich trifft das auf einen Markt, in dem Kundenbindungsprogramme extrem stark verankert sind. Das größte heimische Bonusprogramm hat bei rund neun Millionen Einwohnern über vier Millionen Nutzer. Ein Kunde, der an der Kassa erst die Kundenkarte, dann einen Coupon und dann die Zahlung abwickelt, kostet Sie drei Vorgänge — was bei Stoßzeiten sichtbar wird.
Für Sie ist die Abwägung deshalb weniger eine Zahlungs- als eine Ablauffrage. Wenn Kundenkarte und Aktionen in Ihrem Betrieb ohnehin eine Rolle spielen, ist die Zusammenlegung ein echter Zeitgewinn. Wenn nicht, bleibt Bluecode ein zusätzliches Zahlungsmittel unter mehreren.
Was vor einer Entscheidung geklärt gehört
- 01Kann Ihre Kassa das
- Die zentrale Frage. Unterstützt Ihre Kassensoftware das Verfahren, und ist dafür ein Modul, ein Update oder eine Freischaltung nötig?
- 02Wie oft kommt es wirklich vor
- Im Lebensmittelhandel ist die Nutzung hoch, in einer Werkstatt oder einem Handwerksbetrieb praktisch null. Der Aufwand sollte zur erwarteten Häufigkeit passen.
- 03Wer ist Vertragspartner
- Die Zahlung läuft nicht über Ihren Kartenakzeptanzvertrag. Klären Sie, mit wem Sie den Vertrag schließen, wie abgerechnet wird und wohin die Gutschrift geht.
- 04Wie sieht der Beleg aus
- Auch eine Bluecode-Zahlung an der Kassa ist ein Barumsatz im Sinne der österreichischen Vorschriften. Der Vorgang muss in der Registrierkasse landen und einen Beleg erzeugen.
- 05Wie wird das Personal eingeschult
- Ein Scan-Vorgang, den nur eine Person kennt, führt in der Vertretung zu Verzögerung. Der Ablauf gehört auf ein Blatt neben die Kassa.
- 06Wie zeigen Sie es am Eingang
- Ein Verfahren, das der Kunde nicht sieht, wird nicht genutzt. Für die Beschriftung gelten die Vorgaben des Anbieters; Logos dürfen nicht verändert werden.
Häufige Fragen zu Bluecode
Brauche ich für Bluecode ein neues Terminal?
Nein. Bluecode läuft über einen Barcode-Scanner und Ihre Kassensoftware, nicht über das Kartenterminal. Wer Ihnen deswegen Hardware verkaufen will, hat das Verfahren nicht verstanden oder verkauft an Ihrem Bedarf vorbei.
Ist Bluecode dasselbe wie Apple Pay oder Google Pay?
Nein. Wallets sind eine Hülle um eine Karte und nutzen NFC. Bluecode ist ein optisches Verfahren mit direkter Abbuchung vom Girokonto. Aus Sicht Ihres Betriebs sind das zwei völlig verschiedene Dinge.
Wird bei Bluecode eine PIN am Terminal verlangt?
Nein, die Freigabe erfolgt in der App des Kunden. Deshalb greift auch die österreichische 50-Euro-Grenze für kontaktlose Kartenzahlungen hier nicht.
Was kostet mich eine Bluecode-Zahlung?
Der Anbieter beschreibt sein Modell als transaktionsbasiert. Konkrete Sätze sind nicht öffentlich und hängen von der Konstellation ab. Wir holen Ihnen die Auskunft ein, bevor Sie sich entscheiden, statt eine Zahl zu nennen, die wir nicht belegen können.
Lohnt sich das für einen kleinen Betrieb?
Das hängt an Ihrer Kundschaft und an Ihrer Kassa. Im Lebensmittel- und Nahversorgungsbereich kennen viele Kunden das Verfahren aus dem Supermarkt. In Branchen, in denen es niemand nachfragt, ist der Integrationsaufwand nicht gerechtfertigt.
Ersetzt Bluecode meine Kartenakzeptanz?
Nein. Es ist eine Ergänzung für einen Teil der Kundschaft. Die Basis bleibt in Österreich die Bankomatkarte, dazu Kreditkarten und kontaktloses Zahlen.