Ein Wort, zwei Bedeutungen
Wer im Geschäft nach einem Kartensystem fragt, meint meistens die Ausstattung: die Bankomatkasse, die Anbindung an die Registrierkasse, den Vertrag mit dem Acquirer. Um diese Ausstattung geht es auf unseren Seiten zu den Kartenterminals.
In Verträgen und im Gesetz bedeutet das Wort etwas anderes. Die EU-Verordnung über Interbankenentgelte, die in Österreich unmittelbar gilt, beschreibt das Kartenzahlverfahren als einheitliches Regelwerk aus Vorschriften, Praktiken und Standards für kartengebundene Zahlungen. Die Wirtschaftskammer spricht vom Kartennetzwerk, der Markt vom Scheme. Gemeint sind Visa, Mastercard, American Express und die anderen internationalen Marken.
Diese zweite Bedeutung ist die, die auf Ihrer Abrechnung Geld kostet: Jedes Kartensystem bringt eigene Regeln und eigene Gebühren mit.
Was ein Kartensystem festlegt
Das Kartensystem setzt die Regeln, an die sich die Bank Ihrer Kundschaft, Ihr Acquirer und Sie selbst halten müssen: wie eine Zahlung abgewickelt wird, wie Reklamationen laufen, wie die Akzeptanzmarke aussehen darf und welche Sicherheitsanforderungen die Bankomatkasse erfüllen muss. Visa und Mastercard wickeln laut Wirtschaftskammer rund zwei Drittel aller bargeldlosen Transaktionen in der EU ab.
Für diese Rolle verlangt das Kartensystem eine eigene Gebühr. Ein österreichischer Acquirer beschreibt sie als Gebühr, die vom Acquirer an die Schemes zu entrichten ist. Sie ist — anders als das Entgelt zwischen den Banken — gesetzlich nicht gedeckelt.
Ob eine einzelne Zahlung genehmigt wird, entscheidet nicht das Kartensystem, sondern die Bank des Karteninhabers. Das Kartensystem sorgt dafür, dass die Anfrage dort ankommt und die Antwort nach festen Regeln zurück an Ihre Kassa läuft.
Österreich hat kein eigenes Debitsystem
Die Bankomatkarte war technisch immer an ein internationales Kartensystem gekoppelt: früher an Maestro, heute an Debit Mastercard oder Visa Debit. Die PSA Payment Services Austria, die von den österreichischen Banken getragen wird, bietet den Instituten genau diese Marken an. Seit 2019 stellen die Banken institutsweise von Maestro auf Debit Mastercard um, und seit dem 1. Juli 2023 dürfen keine neuen Maestro-Karten mehr ausgegeben werden.
Für Sie hat das eine klare Folge: Eine Zahlung mit der Bankomatkarte ist eine Zahlung über Mastercard oder Visa. Sie fällt unter die EU-Deckelung für Debitkarten von höchstens 0,2 Prozent für das Entgelt zwischen den Banken, und zusätzlich fallen die Gebühren des Kartensystems an. Ein eigenes, nationales Debitverfahren mit eigener Preislogik — wie die girocard in Deutschland — gibt es in Österreich nicht.
Die Größenordnung zeigt, wie wichtig diese eine Schiene ist: Laut Oesterreichischer Nationalbank waren 2024 rund 11 Millionen Debitkarten im Umlauf, mit knapp 1,8 Milliarden Transaktionen. Dazu kommen rund 3 Millionen Kreditkartenprodukte von Mastercard, Visa, Diners und American Express.
Die Kartensysteme an der österreichischen Kassa
Die Marken, die österreichische Acquirer für Händler akzeptieren. Die dritte Spalte zeigt, ob die EU-Deckelung für das Entgelt zwischen den Banken greifen kann.
| Kartensystem | Bauart | Entgelt zwischen den Banken | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|---|
| Debit Mastercard und Visa Debit | Vier-Parteien-System | höchstens 0,2 % bei Verbraucherkarten aus dem EWR | die heutige Bankomatkarte; 16-stellige Nummer, auch online nutzbar |
| Maestro und V PAY | Vier-Parteien-System | höchstens 0,2 % | Bestandskarten im Auslauf; Ausgabe Maestro seit 01.07.2023 gestoppt |
| Visa und Mastercard (Kredit) | Vier-Parteien-System | höchstens 0,3 % bei Verbraucherkarten aus dem EWR | Firmen- und Nicht-EWR-Karten sind nicht gedeckelt |
| American Express | Drei-Parteien-System | entfällt, es gibt keine zweite Bank | am Terminal akzeptiert, separat abgerechnet |
| Diners Club und Discover | über das Discover Global Network | entfällt beim Drei-Parteien-Betrieb | separat abgerechnet; deckt in manchen Gebieten auch JCB und UnionPay mit ab |
| JCB und UnionPay | internationale Kartensysteme aus Japan und China | über den Acquirer | relevant bei Gästen aus Asien |
Grundlage: Liste der akzeptierten Karten von card complete; PSA-Debitkartenprodukte; Art. 1 Abs. 3, Art. 3 und Art. 4 der Verordnung (EU) 2015/751; Saferpay-Dokumentation zum Discover Global Network. Stand 01.08.2026.
Wer an einer Kartenzahlung beteiligt ist — und wer wem zahlt
Die Oesterreichische Nationalbank beschreibt die Geldströme im Kartengeschäft nach einer festen Logik. Wer sie kennt, kann jede Position auf einem Angebot einer Partei zuordnen.
- 01Acquiring Fee: Sie → Acquirer
- Das Entgelt, das Ihnen Ihr Acquirer verrechnet — laut card complete aus einem Prozentsatz und einem transaktionsbezogenen Entgelt zusammengesetzt. Der Acquirer ist „die Bank des Händlers", die Ihre Kartenumsätze annimmt und gutschreibt.
- 02Interchange Fee: Acquirer → Issuer
- Der Teil, der an die Bank des Karteninhabers weitergeht. Nur dieser Teil ist von der EU gedeckelt.
- 03Scheme Fee: Acquirer → Kartensystem
- Die Gebühr für Regelwerk und Infrastruktur von Visa, Mastercard und Co. Sie ist nicht reguliert und in pauschalen Tarifen unsichtbar.
- 04Processors und Service Provider
- Sie stellen laut Nationalbank die technische Infrastruktur sowie Processing, Settlement und Clearing bereit. Sie arbeiten im Hintergrund und tauchen auf Ihrer Abrechnung meist nicht eigens auf.
- 05Drei-Parteien-System als Ausnahme
- Bei American Express und Diners Club übernimmt ein Unternehmen Kartenausgabe und Händlerabrechnung. Eine Interchange Fee entfällt, weil sie einem internen Transfer gleichkäme — und deshalb greift auch die EU-Deckelung nicht.
Was kein Kartensystem ist
Apple Pay und Google Pay sind keine eigenen Kartensysteme. Das Telefon überträgt einen Ersatzwert für die hinterlegte Karte, und an der Bankomatkasse kommt eine kontaktlose Zahlung genau dieser Marke an — meist Debit Mastercard, Visa Debit oder eine Kreditkarte. Eine zusätzliche Wallet-Gebühr entsteht dadurch nicht.
Bluecode ist dagegen ein eigenständiges Verfahren: Es bucht über einen Barcode direkt vom Konto ab, braucht eine eigene Freischaltung und hat eine eigene Kostenlogik. Es läuft neben den Kartensystemen, nicht durch sie.
Und die PSA ist kein Kartensystem im Sinn eines Regelwerks, sondern der zentrale Dienstleister der österreichischen Banken für Debitkarten und den Betrieb des Bankomat-Systems.
Die Kosten des Kartensystems dürfen Sie nicht weiterverrechnen
Ein Aufschlag für die Kartenzahlung ist in Österreich nach § 56 Abs. 3 ZaDiG verboten — für alle gängigen Zahlungsmittel. Auch das Weiterverrechnen von Gebühren, die Ihnen selbst entstehen, ist unzulässig; die Kosten gehören in den Preis.
Erlaubt sind dagegen Rabatte und andere Anreize für ein bestimmtes Zahlungsmittel. Auch die EU-Verordnung verbietet den Kartensystemen, Sie am Lenken Ihrer Kundschaft zu hindern. Ein Barzahlungsrabatt oder ein freundlicher Hinweis an der Kassa ist zulässig, ein Kartenzuschlag nicht.
Und niemand kann Sie zwingen, gleich alle Karten eines Systems anzunehmen: Nach Artikel 10 der Verordnung gilt die Annahmepflicht nur innerhalb derselben Marke und derselben Kartenart, also Debit- oder Kreditkarte.
Häufige Fragen zum Kartensystem
Was ist ein Kartensystem einfach erklärt?
Das Regelwerk hinter einer Kartenmarke. Visa, Mastercard oder American Express legen fest, wie eine Zahlung abläuft, wie Reklamationen funktionieren und was die Beteiligten dafür bezahlen. Die Wirtschaftskammer spricht vom Kartennetzwerk, der Markt vom Scheme.
Über welches Kartensystem läuft die Bankomatkarte?
Über Mastercard oder Visa. Die heutige Bankomatkarte ist technisch eine Debit Mastercard oder Visa Debit; ältere Karten tragen noch Maestro. Ein eigenes nationales Debitsystem gibt es in Österreich nicht.
Welche Kartensysteme sollte meine Bankomatkasse können?
Mindestens Debit Mastercard und Visa Debit samt kontaktloser Zahlung — 9 von 10 Kartenzahlungen an der Kassa laufen laut Nationalbank kontaktlos — sowie die Kreditkarten von Visa und Mastercard. American Express, Diners Club, JCB und UnionPay lohnen sich je nach Kundschaft, etwa im Tourismus.
Kostet jedes Kartensystem gleich viel?
Nein. Der Preis setzt sich aus Interchange Fee, Scheme Fee und dem Entgelt Ihres Acquirers zusammen, und alle drei unterscheiden sich je System und Kartenart. Firmenkarten, Karten von außerhalb des EWR und Drei-Parteien-Systeme sind nicht gedeckelt.
Brauche ich für American Express einen eigenen Vertrag?
In der Regel wird American Express separat abgerechnet, auch wenn die Karte an derselben Bankomatkasse gelesen wird. Dasselbe gilt für Diners Club und Discover. Klären Sie vorab, wo diese Umsätze landen und wer im Streitfall Ihr Ansprechpartner ist.
Rechtsstand
Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge, in Österreich unmittelbar anwendbar, insbesondere Art. 1 Abs. 3, Art. 2, Art. 3, 4, 10 und 11; § 56 Abs. 3 ZaDiG 2018. Marktzahlen: Oesterreichische Nationalbank (Bezugsjahr 2024). Stand: 01.08.2026. Diese Seite erklärt Begriffe und ersetzt keine Rechtsberatung.