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Lexikon

Was ist ein Kartensystem?

Visa, Mastercard, girocard, American Express: Jede Marke auf einer Karte steht für ein eigenes Regelwerk mit eigenen Preisen. Wer weiß, welches Kartensystem hinter einer Zahlung steht, versteht seine Abrechnung — und weiß, warum dieselbe Karte an der Kasse zwei verschiedene Preise haben kann.

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Ein Wort, zwei Bedeutungen

Im Alltag wird „Kartensystem" für zwei verschiedene Dinge benutzt. Wer im Laden nach einem Kartensystem fragt, meint meistens die Ausstattung: das Terminal, die Anbindung an die Kasse, den Vertrag. Um diese Ausstattung geht es auf unseren Seiten zu den Kartenterminals.

In Verträgen, Abrechnungen und im Gesetz bedeutet das Wort etwas anderes. Die EU-Verordnung über Interbankenentgelte definiert das Kartenzahlverfahren als „ein einheitliches Regelwerk aus Vorschriften, Praktiken, Standards und/oder Leitlinien für die Ausführung von kartengebundenen Zahlungsvorgängen". Im Markt heißt dasselbe meist Scheme. Visa ist ein solches Regelwerk, Mastercard ist eines, die girocard ist eines.

Diese zweite Bedeutung ist die, die Geld kostet. Denn jedes Kartensystem bringt eigene Regeln, eigene Gebühren und eigene Vertragspartner mit — und damit einen eigenen Preis für dieselbe Zahlung über denselben Betrag.

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Was ein Kartensystem festlegt

Das Kartensystem selbst gibt keine Karten aus und schließt in den meisten Fällen auch keinen Vertrag mit Ihnen. Es setzt die Spielregeln, an die sich alle Beteiligten halten müssen: wie eine Zahlung technisch abzuwickeln ist, wie Reklamationen und Rückbelastungen laufen, wie die Akzeptanzmarke an Tür und Kasse aussehen darf und welche Sicherheitsanforderungen ein Terminal erfüllen muss.

Für diese Rolle verlangt das Kartensystem Gebühren von den Banken auf beiden Seiten, im Markt Scheme Fees genannt. Anders als das Entgelt zwischen den Banken sind sie gesetzlich nicht gedeckelt. Ein großer Abwickler beschreibt sie ausdrücklich so: Weil die Gebühr nicht reguliert ist, unterscheidet sie sich je nach Kartenorganisation, Kartenprodukt, Transaktionstyp und Marktumfeld erheblich. Konkrete Sätze nennt kaum ein Anbieter.

Über eine einzelne Zahlung entscheidet das Kartensystem dagegen nicht. Ob eine Zahlung genehmigt wird, entscheidet die Bank, die die Karte ausgegeben hat. Das Kartensystem sorgt nur dafür, dass die Anfrage dort ankommt und die Antwort nach festen Regeln zurückläuft.

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Die Kartensysteme an einem deutschen Terminal

Die Marken, die ein Abwickler in Deutschland für Kartenlesegeräte typischerweise anbietet. Entscheidend ist die dritte Spalte: Sie zeigt, ob die EU-Deckelung für das Entgelt zwischen den Banken überhaupt greifen kann.

KartensystemBauartEntgelt zwischen den BankenWas Sie wissen sollten
girocardnationales deutsches Debitsystem der Deutschen Kreditwirtschaftkein Interchange im EU-Sinn, sondern individuell verhandeltes Händlerentgeltrund 100 Mio. Karten, 8,3 Mrd. Zahlungen 2025; nur in Deutschland
Visa und Mastercard (Kredit)Vier-Parteien-Systemhöchstens 0,3 % bei Verbraucherkarten aus dem EWRFirmen- und Nicht-EWR-Karten sind nicht gedeckelt
Debit Mastercard und Visa DebitVier-Parteien-Systemhöchstens 0,2 % bei Verbraucherkarten aus dem EWRsehen aus wie eine Bankkarte, laufen aber nicht über die girocard
American ExpressDrei-Parteien-Systementfällt, es gibt keine zweite Bankeigener Akzeptanzvertrag, getrennt abgerechnet
Diners Club und Discoverüber das Discover Global Networkentfällt beim Drei-Parteien-Betriebdeckt in manchen Gebieten auch JCB und UnionPay mit ab
JCBinternationales Kartensystem aus Japanüber den AcquirerAkzeptanzlogo nur mit Vertrag nutzbar
UnionPayinternationales Kartensystem aus Chinaüber den Acquirerrelevant bei Gästen aus China

Grundlage: Art. 1 Abs. 3, Art. 3 und Art. 4 der Verordnung (EU) 2015/751; Zahlartenliste von Elavon Deutschland; girocard-Jahreszahlen 2025 (Pressemitteilung vom 11.02.2026); Saferpay-Dokumentation zum Discover Global Network. Stand 01.08.2026.

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Wer an einer Kartenzahlung beteiligt ist — und wer wem zahlt

Bei Visa und Mastercard stehen vier Parteien in der Kette, dazwischen das Kartensystem. Die Geldströme folgen einer festen Logik, die auch die Oesterreichische Nationalbank so beschreibt.

01Händlerentgelt: Sie → Acquirer
Das ist der Preis, der auf Ihrer Abrechnung steht. Der Acquirer ist das Unternehmen, das Ihre Kartenumsätze annimmt, verarbeitet und Ihnen gutschreibt.
02Interbankenentgelt: Acquirer → Kartenbank
Ein Teil Ihres Händlerentgelts wandert weiter an die Bank, die die Karte ausgegeben hat. Nur dieser Teil ist von der EU gedeckelt.
03Scheme Fees: beide Banken → Kartensystem
Die Gebühren für das Regelwerk und die Infrastruktur. Sie stecken ebenfalls in Ihrem Preis, ohne dass sie gesetzlich begrenzt wären.
04Kartengebühren: Karteninhaber → Kartenbank
Was Ihre Kundschaft für ihre Karte bezahlt. Mit Ihrem Vertrag hat das nichts zu tun, erklärt aber, warum Prämienkarten für den Handel teurer sind.
05Drei-Parteien-System als Ausnahme
Bei American Express und Diners Club gibt das Kartensystem die Karte selbst aus und rechnet selbst mit dem Händler ab. Ein Entgelt zwischen zwei Banken entfällt, weil es nur ein internes Hin und Her wäre — und damit greift auch die EU-Deckelung nicht.
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Die girocard: ein Kartensystem mit eigenen Regeln

Die girocard ist das einzige Kartensystem, das nur in Deutschland existiert, und sie funktioniert anders als Visa und Mastercard. Ihr Vertragspartner für die Genehmigung einer Zahlung ist nicht ein Acquirer, sondern die Bank, die die Karte ausgegeben hat — und ihr schulden Sie auch das Entgelt. Die Regeln setzt die Deutsche Kreditwirtschaft; als operativer Scheme-Manager arbeitet derzeit die EURO Kartensysteme GmbH.

Ein Interbankenentgelt im Sinn der EU-Verordnung gibt es bei der girocard nicht. Bis 2014 galt ein einheitliches Händlerentgelt von 0,3 Prozent, mindestens 8 Cent je Zahlung. Das Bundeskartellamt hat diese Festsetzung beanstandet; seit dem 8. April 2014 wird das Entgelt verhandelt — in der Praxis nicht vom einzelnen Betrieb, sondern gebündelt über seinen Netzbetreiber. Deshalb streuen die girocard-Preise im Markt so stark.

Seit dem 1. Januar 2026 erhebt das System zusätzlich eine eigene Gebühr, die Scheme-Manager-Fee. Sie erscheint als separate Position auf der Monatsabrechnung. Was dahintersteht und wie hoch sie ist, erklären wir auf einer eigenen Seite.

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Dieselbe Karte, zwei Kartensysteme

Viele deutsche Bankkarten tragen heute zwei Marken: girocard und Debit Mastercard oder Visa Debit. Seit dem 1. Juli 2023 dürfen keine neuen girocards mit Maestro mehr ausgegeben werden, und die Banken setzen als Ersatz auf die internationalen Debitmarken. Für Ihre Kundschaft ist das dieselbe Karte. Für Sie sind es zwei verschiedene Kartensysteme mit zwei verschiedenen Preisen.

Welches der beiden Systeme eine Zahlung abwickelt, hängt am Zusammenspiel von Karte, Kundenwahl und Konfiguration Ihres Terminals. Der Trend ist messbar: Im stationären Einzelhandel haben die internationalen Debitkarten 2024 um 2,8 Prozentpunkte Umsatzanteil zugelegt, während die girocard bei 41,5 Prozent leicht nachgab.

Wie das genau funktioniert, was das Gesetz dazu sagt und wie Sie es auf Ihrer Abrechnung erkennen, steht auf unserer Seite zum Co-Badging.

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Was kein Kartensystem ist

Apple Pay, Google Pay und Samsung Wallet sind keine eigenen Kartensysteme. Das Telefon überträgt einen Ersatzwert für eine hinterlegte Karte, und am Terminal kommt eine kontaktlose Zahlung genau dieser Kartenmarke an — girocard, Debit Mastercard, Visa oder Amex. Deshalb entsteht für Sie auch keine zusätzliche Wallet-Gebühr; es gelten die Konditionen der Kartenmarke darunter.

Auch der Netzbetreiber ist kein Kartensystem. Er schließt Terminals an und leitet Zahlungen weiter, setzt aber keine Regeln für die Karte. Und das elektronische Lastschriftverfahren ist ebenfalls keines: Dort liest das Terminal nur die Kontodaten, eine Genehmigung bei der Bank des Kunden findet nicht statt.

Anders liegen echte Zusatzverfahren wie PayPal per QR-Code, Klarna oder Bluecode. Sie brauchen eine eigene Freischaltung, haben eine eigene Kostenlogik und laufen neben dem Terminal statt durch die Kartensysteme.

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Welche Kartensysteme Sie annehmen müssen

Keines. Eine gesetzliche Pflicht, Kartenzahlung anzubieten, gibt es in Deutschland nicht. Wer aber ein Kartensystem annimmt, ist an dessen Regeln gebunden — und die EU hat diesen Regeln Grenzen gesetzt.

Nach Artikel 10 der Verordnung dürfen Kartensysteme Sie nicht zwingen, gleich alle ihre Karten zu akzeptieren. Die Annahmepflicht gilt nur innerhalb derselben Marke und derselben Kartenart, also Guthaben-, Debit- oder Kreditkarte, soweit diese unter die Deckelung fällt. Sie dürfen also Kreditkarten einer Marke annehmen und deren Debitkarten ablehnen, oder umgekehrt.

Und nach Artikel 11 dürfen Kartensysteme Ihnen nicht verbieten, Ihre Kundschaft zu einem bevorzugten Zahlungsmittel zu lenken. Ein Hinweis an der Kasse ist erlaubt. Ein Aufschlag für Karten bei Verbraucherkarten dagegen ist nach § 270a BGB unwirksam.

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Häufige Fragen zum Kartensystem

Was ist ein Kartensystem einfach erklärt?

Das Regelwerk hinter einer Kartenmarke. Visa, Mastercard, girocard oder American Express legen fest, wie eine Zahlung abläuft, wie Reklamationen funktionieren und was die Beteiligten dafür bezahlen. Im Markt heißt das Scheme, im Gesetz Kartenzahlverfahren.

Welche Kartensysteme sollte mein Terminal in Deutschland können?

Mindestens girocard — auch kontaktlos, denn die digitale girocard im Smartphone kommt am Terminal als kontaktlose girocard-Zahlung an — sowie Visa und Mastercard samt ihrer Debitkarten. American Express, Diners Club, JCB und UnionPay lohnen sich je nach Kundschaft, etwa bei Geschäftsreisenden oder Gästen aus Asien.

Ist die girocard dasselbe wie die EC-Karte?

Im Alltag ja. „EC-Karte" ist der alte Name, der sich gehalten hat; das Kartensystem heißt heute girocard. Viele dieser Karten tragen zusätzlich eine internationale Debitmarke und gehören damit zwei Kartensystemen zugleich an.

Kostet jedes Kartensystem gleich viel?

Nein. Der Preis setzt sich aus dem Entgelt für die Kartenbank, den Gebühren des Kartensystems und der Marge Ihres Anbieters zusammen, und alle drei unterscheiden sich je System. Bei Firmenkarten, Karten von außerhalb des EWR und Drei-Parteien-Systemen greift die EU-Deckelung gar nicht.

Brauche ich für jedes Kartensystem einen eigenen Vertrag?

Für Visa und Mastercard nicht, sie laufen im Regelfall über denselben Akzeptanzvertrag. American Express wird üblicherweise gesondert vereinbart und getrennt abgerechnet. Bei der girocard schließen Sie neben dem Vertrag mit dem Netzbetreiber eine Entgeltvereinbarung mit den kartenausgebenden Banken, die der Netzbetreiber für Sie bündelt.

Sind Apple Pay und Google Pay eigene Kartensysteme?

Nein. Sie sind eine Hülle um eine hinterlegte Karte. Am Terminal kommt eine kontaktlose Zahlung der zugrunde liegenden Marke an, und es gelten deren Konditionen — eine zusätzliche Wallet-Gebühr gibt es nicht.

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Rechtsstand

Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge, insbesondere Art. 1 Abs. 3, Art. 2 Nr. 16 bis 18, Art. 3, 4, 10 und 11; § 270a BGB; Bundeskartellamt, Pressemitteilung vom 08.04.2014 (B4-9/11). Die Deckelungen gelten seit dem 09.12.2015 unverändert; eine Überprüfung durch die EU-Kommission läuft, eine Änderung ist bisher nicht in Kraft. Stand: 01.08.2026. Diese Seite erklärt Begriffe und ersetzt keine Rechtsberatung.

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